Grassi Museum – Pfeilerhalle

Projekttagebuch
Woche 9 // 29. August bis 04. September 2022

Das Grassi Museum

Nach dem Leipziger Kaufmann italienischer Herkunft, Franz Dominic Grassi (1801-1880), benannt, gehört das Grassi Museum zu den wenigen Museumsbauten aus der Weimarer Republik. In der Architektur des Hauses verbindet sich funktionalistische und klare Formsprache mit den expressiven Schmuckformen des Jugendstils oder des Art déco. Die Pfeilerhalle von 1927 ist das Herzstück des Hauses und wird von einem Zackenstil geprägt, aber auch Bauhaus-Elemente im rationalen Stil sind erkennbar.

Forschungsparameter

Jugendstil und Tanz

Ich mochte Jugendstil schon immer! Schon als Schülerin interessierte ich mich für Mucha, Toulouse-Lautrec oder Klimt. Für mich sind Jugendstil und Tanz sehr eng miteinander verbunden, auch wenn es vielleicht bei vielen nicht die erste Assoziation ist. Strahlende Ausdruckskraft und Farbenpracht sieht man z. B. in Alfons Muchas Serie „Die vier Künste“ und hier ist für mich „Der Tanz“ mit Abstand der schönste Vertreter.

Getanzt wurde in der Zeit des Jugendstils viel… und das auf der ganzen Welt. Neben CanCan aus Frankreich und dem zwielichtigen, aber aufstrebenden Moulin Rouge entwickelte sich zum Beispiel das Japanische Butohtheater. In Amerika wurde die Geburtsstunde des Modernen Tanzes eingeleitet und so sah man die weichen, verführerischen Armbewegungen einer Isadora Duncan, den spirituellen Gestus einer Ruth St. Denis und, ganz zentral, das Spiel mit langen Stoffbahnen, so wie es die Tänzerin Loie Fuller gezeigt hat. Ihr in fließende Gewänder eingehüllter Tanz, avancierte zum sogenannten Neuen Tanz.

Tanz in gelb

Wechselwirkung zwischen bildender Kunst und Tanz

Die Entwicklung des modernen Tanzes in der Zeit um die Jahrhundertwende ist maßgeblich von amerikanischen Tänzerinnen beeinflusst worden. Allen voran ist Isadora Duncan zu nennen, die Vorreiterin des Ausdruckstanzes, den sie bewusst in Abgrenzung zur strengen Körperbeherrschung des klassischen Balletts zu entwickeln begann. Duncan orientierte sich an den Vorbildern der Antike, kleidete sich bei Aufführungen entsprechend und tanzte barfuß – damals noch eine kleine Sensation. Mary Wigman schließlich führte die Ansätze des neuen freien Tanzes zum expressionistischen Ausdruckstanz. Durch ihre Freundschaft zu den Künstlern dieser Epoche gab es auch bei ihr spannende Wechselwirkungen zwischen Tanz und bildender Kunst.

Parkett der Pfeilerhalle

Kunst ist mehrdimensional

Für mich fühlte es sich ganz natürlich an, in der Pfeilerhalle zu tanzen. Aus der Tradition des Ausdruckstanz kommend (Palucca Schule) und im zeitgenössischen und modernen Tanz zu Hause, gehört Tanz für mich absolut an diesen Ort. Da zeitgenössischer Tanz ein Teil der Performing Arts ist, funktioniert er im Museum wunderbar. Viele Choreograph:innen nutzen Museumsarchitektur sogar als Bühnenbild für interdisziplinäre Performances. Tanz im Museum unterstreicht die Idee aus den 60ziger Jahren, dass Kunst nicht mehr statisch ist, sondern „aktiv“.

In meinem Tanz gab es den Moment der „Integration“, so dass der Raum das Thema wurde. Ich orientierte mich an den geometrischen Formen, bevor ich sie in Verspieltheit und florale Bewegungsideen fließen ließ. Außerdem dachte ich über die „Ausdehnung der Zeit“ nach, da mich der Jugendstil sehr beeinflußt und mein Bild von Ästhetik nachhaltig prägt.

Woche 9 - Pfeilerhalle im Grassi

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Grassi Museum – Pfeilerhalle

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